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Diese Frage stellte sich eine Delegation bestehend aus einem Sandhäuser und
einer großen Anzahl Walldorfer Gemeinderäte bei ihrem Besuch des Landauer
Erdwärmekraftwerks. Dieses Kraftwerk erzeugt derzeit nur Strom und
verwendet dafür 160 Grad heißes Wasser, das in ca. 3000 Meter im
Untergrund von Landau vorhanden ist. „Dieses Wasser ist übrigens 3 Mal so
salzig wie das der Nordsee“ so Dr. Heiner Menzel vom Betreiber der Anlage
GeoX, der die Besucher durch die Anlage führte. Viel zu sehen gibt es dort
allerdings nicht, da sich das meiste ja unter der Erde abspielt. Von tief
unter der Erde holt man sich das heiße Wasser nach oben. Größtenteils wird
das Wasser durch den gewaltigen Druck nach oben gepresst, erst die letzten
400 Meter müssen mit Hilfe einer Pumpe überwunden werden. Auf diese Art
und Weise entnimmt man 50 – 70 Liter Wasser pro Sekunde.
Das heiße
Wasser wird dann verwendet, um die geologische Wärme auf ein organisches
Lösungsmittel übertragen, das in einem geschlossenen Sekundärkreislauf
zirkuliert. Dieses Gemisch hat einen höheren Dampfdruck als das
üblicherweise verwendete Wasser. Der Rest der Stromerzeugung sollte aus
dem Physikunterricht bekannt sein. Dieser Dampf treibt eine Turbine an.
Diese ist über eine Welle mit Magneten verbunden, die durch die
Drehbewegung an einer Spule vorbeigeführt werden. Dadurch wird, wie man
sagt, Strom induziert.
Bei diesem Vorgang kühlt das Wasser auf ca.
70 Grad ab. Dies ist aber immer noch heiß genug, um es als Fernwärme zu
nutzen. Dazu wird das Kraftwerk derzeit an das Fernwärmenetz der Stadt
Landau angeschlossen.
Das Kraftwerk erzeugt so 3,2 Megawatt
elektrische Energie und wenn ans Fernwärmenetz angeschlossen zusätzlich
5,1 MW Wärmeenergie. Zum Vergleich: Unser Sandhäuser Blockheizkraftwerk im
Friedrich-Ebert-Schulzentrum erzeugt 110 KW elektrische und 200 KW
Wärmeenergie.
Insgesamt erzeugt das Landauer Kraftwerk 22 Mio. KWh
elektrische und 9,2 Mio. KWh. thermische Energie im Jahr. Damit können
6000 Haushalte mit Strom und 300 Haushalte mit Wärme versorgt werden. Es
hilft damit, 6000t Kohlendioxid im Jahr einzusparen.
Wo auf der
einen Seite Wasser entnommen wird, muss auf der anderen Seite das
erkaltete Wasser wieder zurückgeführt werden. Dabei ist unbedingt zu
vermeiden, dass es zu einem „thermischen Kurzschluss“ kommt, d.h., dass
das erkaltete Wasser sofort wieder hoch gepumpt wird. Um dies zu vermeiden
liegen Entnahme- und Einspeisestelle 1,5 Kilometer auseinander, und das,
obwohl beide Bohrlöcher nur 6 Meter an der Oberfläche auseinander liegen.
Man hat in Landau also schräg gebohrt. Dies ist die Erklärung, warum die
Bohrlänge für das erste Bohrloch 3300 und 3170 Meter für das zweite
Bohrloch, die Bohrtiefe aber „nur“ 3000 Meter beträgt. Diese Tiefe wurde
in 63 bzw. 56 Bohrtagen erreicht.
Wie oben schon erwähnt wird das
Kraftwerk gerade an das Fernwärmenetz in Landau angeschlossen, um es noch
effizienter zu machen. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung wurde allerdings
nur auf Basis der Stromerzeugung durchgeführt. „Die Fernwärme ist
sozusagen das Tüpfelchen auf dem i“, erklärte Dr. Menzel.
In
Walldorf besteht ein großes Interesse an dieser Art der Energiegewinnung,
die 24 Stunden am Tag und 330 Tage im Jahr genutzt werden kann. Den Rest
des Jahres muss diese Anlage wie jede andere auch gewartet werden. Der
Walldorfer Gemeinderat hat deshalb eine Machbarkeitsstudie in Auftrag
gegeben, die u.a. auf einer alten Bohrung in Sandhausen
beruht.
Thomas Schulze
(Erstellt: 24.10.2008)
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