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Europa beginnt in Sandhausen

 


 
 
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Im Zeichen Europas stand die zweite turnusgemäße Mitgliederversammlung der SPD. Dazu hatte der Ortvereinsvorsitzende Dr. Matthias Horn die Zweitkandidatin für die Europawahlen in unserer Region Stella Kirgiane-Efremidis eingeladen. Ihr Referat trug den Titel „Europa, was haben wir davon? Gibt es eine europäische Zukunft?"

In einer kurzen persönlichen Vorstellung stellte die heute in Weinheim lebende sogleich ihren persönlichen Bezug zu Sandhausen her. Ihre Eltern führten 5 Jahre lang das Restaurant „Hellas“ in unserem Gewerbegebiet. Nach der Vorstellung ging Kirgiane-Efremidis noch auf das Verfahren zur Aufstellung der SPD-Europawahlliste ein und dass am 8. Dezember in Berlin die Nominierung der Listenplätze stattfindet.

Sie beklagte, dass die Europawahlen in der Bevölkerung leider nicht den ihnen gebührenden Stellenwert innehaben. Auch hat Europa ein schlechtes Image. Denkt man an Europa. fallen einem sofort Regelungswut und Verordnungsflut ein. Dabei kommt Otto Normalverbraucher mit dem Großteil der Verordnungen überhaupt nicht direkt in Kontakt. Viele Regeln dienen in einem Europa, mit seinen vielen nationalen Vorschriften, der Vereinheitlichung und besseren Vergleichbarkeit von Produkten. Letztendlich dienen viele Standards dem Verbraucherschutz.

Durch ihre Kandidatur möchte sie Europa mehr in das positive Zentrum des Interesses bei uns im Kreis rücken. Denn häufig dient Europa lediglich als Vorwand für unliebsame Entscheidungen, und man verliert dabei leicht das Große und Wichtige an der Idee Europa aus den Augen. Ein Blick in die blutige Geschichte Europas macht einem noch bewusster, dass wir seit über 60 Jahren in der Mitte Europas in Frieden leben können. Europa hat aus seiner Geschichte gelernt und ist zu einem wichtigen Baustein der Sicherheit in der Welt geworden.

Dies ist eines der Verdienste eines immer mehr zusammenwachsenden Europas, in dem sich die einzelnen Länder ihre kulturelle Eigenständigkeit bewahren können. In einer immer stärker globalisierten Welt ist es wichtiger denn je, dass Europa vereint und mit einer Stimme spricht, um nicht zwischen den unterschiedlichen Wirtschaftsregionen und Machtblöcken USA, China und Russland zerrieben zu werden. Nur gemeinsam können wir die Wirtschafts- und Finanzkrise meistern und dem Klimawandel entgegen treten. Was passiert, wenn Europa uneins ist, zeigte sich im Balkankrieg der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Es sind aber auch die praktischen Dinge des Lebens, die mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind. Jeder EU-Bürger hat das Recht. sich in einem EU Land seiner Wahl niederzulassen, zu arbeiten oder zu studieren. Erwähnenswert auch die Tatsache, dass es das Europaparlament war, das die Kosten für mobiles Telefonieren begrenzte. Dies, sowie wegfallende Grenzkontrollen und eine einheitliche Währung sind für den Reiseweltmeister Deutschland gerne angenommene Erleichterungen. EU Bildungsprogramme wie COMENIUS im Schulbereich, ERASMUS im Hochschulbereich oder im beruflichen Bereich LEONARDO DA VINCI sind ebenfalls europäische Hilfen für jeden einzelnen von uns.

Auch die Kommunen können von Europa profitieren. So gibt es auf europäischer Ebene viele Fördertöpfe, aus denen sich die Gemeinden bedienen können. Beispielsweise werden Hochwasserrückhaltebecken oft mit Hilfe der EU finanziert. In Weinheim gibt es innerhalb der Verwaltung einen Verantwortlichen, der sich um eben diese Fördertöpfe kümmert und prüft, wie man an europäisches Geld kommt. Diese Stelle würde sich möglicherweise auch für Sandhausen rechnen.

An der EU Verfassung entzündete sich dann allerdings eine lebhafte Diskussion. Bedauerlicherweise ist die Europäische Verfassung im ersten Anlauf gescheitert, so dass stattdessen jetzt vieles im Vertrag von Lissabon geregelt wird. Mehr Transparenz, Offenheit und Demokratie in Europa könnten aber helfen, das Fernziel einer Europäischen Verfassung doch irgendwann zu erreichen.

Thomas Schulze

(Erstellt: 05.12.2008)