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Unter diesem Titel luden der SPD-Kreisverband Rhein-Neckar, der
SPD-Ortsverein sowie die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen der
SPD Rhein-Neckar zu einer Podiumsdiskussion in die Räume der AWO
ein.
Im Namen der AWO begrüßte Bernd Finke die Anwesenden herzlich
und wünschte allen einen interessanten Diskussionsverlauf.
Dr. Lars
Castellucci, Kreisvorsitzender und Bundestagskandidat für den hiesigen
Wahlkreis führte mit seinem Referat die Anwesenden an das Thema heran. Es
sei in der Gesellschaft eine Unzufriedenheit spürbar und eine allgemeine
Angst, in Armut abzurutschen. Bereits jetzt könne von einer
Parallelgesellschaft zwischen arm und reich in diesem Zusammenhang
gesprochen werden. Was bedeutet Armut? Es ist ein komplexer Begriff, der
nicht nur materiell umschrieben werden kann, so Castellucci. Armut
bedeutet soziale Ausgrenzung, Armut an sozialen Bindungen, sie bringt
Menschen in eine Isolation. Armut kann aber auch rechtliche oder räumliche
Ausgrenzung bedeuten. Darüber hinaus hat Armut auch eine kulturelle
Dimension: arm ist, wer nicht so teilhaben kann, wie es die Gesellschaft
erwartet, z.B. wenn ein Kinobesuch, ein Landschulheimbesuch oder ein
Urlaub nicht möglich sind. Hier spricht man von sogenannter „relativer
Armut“, die sich daran misst, ab wann sich ein Mensch als arm betrachtet.
Was kann die Politik tun? Das Hauptaugenmerk der Politik ist darauf
gerichtet, die Menschen „aus der Sozialhilfe herauszubringen“ und an der
Weiterentwicklung der Reformen auf dem Arbeitsmarkt zu arbeiten. Aus Sicht
von Castellucci muss die Politik 3 Dinge veranlassen, um Armut zu begegnen:
die materielle Absicherung muss erhöht werden. Darüber hinaus muss die
„Aufstockerproblematik“ bearbeitet werden. Hier geht es um die Menschen,
die im Arbeitsleben stehen, deren Verdiensthöhe aber nicht ausreicht, um
ihren Lebensunterhalt zu sichern und die damit auf ergänzende Leistungen
nach dem 2. Sozialgesetzbuch (so genannte „Hartz IV-Leistungen“)
angewiesen sind. Das führt in die Thematik der Mindestlöhne. Der dritte
Aspekt sind die öffentlichen Güter: Es müssen Einrichtungen vorgehalten
werden, die für alle Menschen zugänglich sind. Lars Castellucci schloss
seinen Vortrag mit der Feststellung, dass Beratung in unserer Gesellschaft
ein sehr wichtiger Bestandteil ist, um Menschen aus der Armut
herauszuhelfen oder ihr Risiko, in Armut abzurutschen, zu minimieren.
Beratung muss deshalb aufsuchend und zugleich präventiv geschehen. Und man
müsse sich auf den Gedanken der Subsidiarität besinnen: es muss vor Ort
geholfen werden, dort wo die Probleme am nächsten sind! Hier sind alle
gefragt, Sozialdemokraten wie auch Praktizierende unterschiedlicher
Glaubensrichtungen.
Annett Heiß-Ritter vom Deutschen Berufsverband
für Soziale Arbeit e.V. berichtete von einer Neudefinition der
Sozialarbeit als „aktivierende Sozialarbeit“, für die die Politik die
Rahmenbedingungen setzt. Sozialarbeit werde immer dann relevant, wenn die
Bedingungen zu komplex sind. Deshalb seien auch neue Herausforderungen in
den letzten Jahren auf die Sozialarbeit zugekommen: Heute gehe es um
„fördern und fordern“. Dies müsse allerdings immer im richtigen Kontext
geschehen, man erlebe hier nämlich auch „Blüten“. Sie berichtete in diesem
Zusammenhang von einer Eingliederungsvereinbarung, die von Seiten der
Bundesagentur für Arbeit mit einem Hartz IV-Empfänger getroffen wurde, der
Analphabet ist: Es wurde ihm zur Auflage gemacht, innerhalb einer gewissen
Zeit 5 schriftliche Bewerbungen nachzuweisen.
Herr Pfarrer Thomas
Löffler, Diakoniepfarrer des ev. Kirchenbezirks Südl. Kurpfalz und
Vorsitzender des Diakonieverbandes im Rhein-Neckar-Kreis berichtete über
den Begriff Armut in der kirchlichen Lehre. Er stellte hierbei ebenfalls
den Begriff der Subsidiarität sowie das Prinzip der „Hilfe zur
Selbsthilfe“ in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er wies deutlich
darauf hin, dass die Werte Solidarität und Gerechtigkeit aus seiner Sicht
die Werte sind, die eine Gesellschaft zusammenhalten. Hierauf müsse man
sich wieder stärker besinnen.
Dr. Castellucci ergänzte dazu, was
die SPD darunter versteht, wenn sie von „guter Arbeit“ spricht: Gute
Arbeit ist Arbeit, die – fair entlohnt – eine Familienplanung ermöglicht –
und die Gesundheit erhält. Deshalb müssten neue, „altersgerechte“
Arbeitsformen geschaffen werden, damit auch für die Menschen etwas
vorgehalten wird, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mithalten können.
Man müsse hier darüber nachdenken, inwieweit ein zweiter oder dritter
Arbeitsmarkt ins Leben gerufen werden muss, damit man diesen Menschen
wieder einen Platz in der Mitte der Gesellschaft geben
kann.
Susanne Koch, Teamleiterin des AWO-Lädle, berichtete von
ihrer erfolgreichen Arbeit der letzten Monate. Es kämen mittlerweile 100
Kunden und 20 Obdachlose. Unter den Kunden seien überwiegend kinderreiche
Familien, Alleinerziehende und eine große Zahl von Rentnern. Bereits vor
den Öffnungszeiten sei der Andrang groß. Man sei inzwischen über das reine
Versorgen mit Lebensmitteln auch Ansprechpartner in wichtigen Lebenslagen
geworden.
Zum Abschluss warf Lars Castellucci die Frage auf, ob man
über die Gründung eines „Bündnisses gegen Armut und Ausgrenzung im
Rhein-Neckar-Kreis“ nachdenken müsste. Auf jeden Fall müsse der Gedanke
der Solidarität wieder stärker in unserer Gesellschaft kommuniziert und
eingefordert werden. Darin waren sich an dem Abend alle Podiumsteilnehmer
und Gäste einig.
Zum Abschluss dankte der
SPD-Ortsvereinsvorsitzende, Dr. Matthias Horn allen Anwesenden für ihr
Kommen und die rege Diskussion, sowie dem Moderator, Herrn Gisbert Kühner
von der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen Rhein-Neckar für die
engagierte Leitung der Veranstaltung.
Andrea Hilbert
(Erstellt: 21.11.2008)
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