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„Wir stehen am Anfang und nicht am Ende einer umfassenden Diskussion in der
Partei“ kündigte SPD-Kreisvorsitzender Thomas Funk in der Nußlocher
Festhalle an. Da lagen bereits über drei Stunden kontroverse Diskussionen
hinter den Teilnehmern dieses ersten SPD-Kreisparteitags nach den
Bundestagswahlen.
Für Erneuerung sprach sich auch der
stellvertetende SPD-Landesvorsitzende Dr. Lars Castellucci aus: „Wenn wir
uns erfolgreich neu aufstellen wollen, müssen wir auch das Demokratische
in der Sozialdemokratie wieder stärker betonen“. Die erfreulich hohe Zahl
neuer Parteimitglieder nach der ernüchternden Bundestagswahl
unterstreiche, dass viele Menschen an die Zukunft der SPD glauben. So sah
es auch Werner Henn, SPD-Kandidat im Wahlkreis
Schwetzingen-Bruchsal.
Angesichts der vielen „engagierten Menschen
und tollen inhaltlichen Gesprächen“, die er im Wahlkampf erlebt habe, sei
es „einfach nur schade, dass diese Energie durch das Personalkarussell und
die unklare Machtperspektive der Bundespartei erdrückt wurde“. Die
Aussprache wurde ausführlich und offen geführt, wobei mit deutlicher
Kritik an der Parteiführung nicht gespart wurde. „Teilweise hatten wir in
den letzten Jahren den Eindruck, dass die Regierungsmitglieder selbst die
Beschlüsse eines Bundesparteitags nicht ernst nehmen“, so eine Rednerin.
In allen Beiträgen wurde deutlich, wie sehr die „Basta-Politik“ bei
Grundsatzentscheidungen und der als wankelmütig empfundene Kurs gegenüber
potenziellen Bündnispartnern, nicht zuletzt bei der Regierungsbildung in
Hessen, sowohl Mitglieder als auch Wähler massiv verunsichert und
abgeschreckt hat.
Der Heidelberger Bundestagsabgeordnete Lothar
Binding teilte diese Empfindung, warnte aber vor einem schlichten
„Beißreflex, der alles, was die SPD in der Regierung gemacht hat, schlecht
redet. Auf den Atomausstieg und die Wahrung von Arbeitnehmerrechten können
und müssen wir stolz sein“. Auch in der Steuer- und Arbeitsmarktpolitik
habe die Partei wegweisende Konzepte erarbeitet, die sie jetzt aus der
Opposition heraus verteidigen müsse. Deshalb gehe es nicht in erster Linie
darum, ob die Partei „linker“ oder „bürgerlicher“ werden müsse. „Erst
müssen wir uns selbst darüber klar werden, was wir als Sozialdemokraten
wollen und dann prüfen, wer die geeigneten Partner sind.“
In einer
mit großer Mehrheit beschlossenen Resolution wurde eine Stärkung der
Ortsvereine und eine Ausweitung von Mitgliederentscheiden über wichtige
Personal- und inhaltliche Fragen gefordert, wie sie die SPD
Baden-Württemberg derzeit bei der Neuwahl des Landesvorsitzes durchführt.
Die drei Bewerber standen dazu am 5. November in der Hockenheimer
Stadthalle Rede und Antwort.
Inhaltlich forderte die Kreispartei
ein eindeutiges Profil mit den Schwerpunkten Sozialpolitik und
Armutsbekämpfung. „Das sind unsere Kernthemen, die gerade unter der
schwarz-gelben Regierung noch an Bedeutung gewinnen werden“ so
SPD-Kreisvorsitzender Funk. Für weitere inhaltliche Forderungen sei es
jetzt hingegen zu früh. Man steht ja erst am Anfang der Diskussion.
(Erstellt: 13.11.2009)
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